Der Schlusstag der Shorttrack-EM in Mladá Boleslav war nix für schwache Nerven. Die Mehrkampf-Titel holten Arianna Fontana (Italien) & Sjinkie Knegt (Niederlande), auch beide Staffel-Titel gingen an die Niederlande. Die deutschen Männer holen Bronze. Hinweis: Der Text ist das Ergebnis laufender Aktualierungen während des Tages, darum das Letzte oben, der Anfang unten.
Staffel-Berichte in Kürze in separatem Text
3000 m: Fontana und Knegt werden Europameister 2012
Arianna Fontana (Italien) wollte nach ihrem 1000-m-Fauxpas (Sturz im Vorlauf) im 3000-m-Superfinale nichts anbrennen und sicherte sich mit einem genau geteimten Ausreißversuch die 9-Runden-Prämie (5 Punkte) und ergriff kurz vor Ende nochmals die Initiative. Zwar folgte ihr Mehrkampf-Rivalin Jorien ter Mors (Niederlande) und hätte Fontana auf der Ziellinie beinahe noch abgefangen − aber auch das hätte ihr nach Punkten nicht zum EM-Titel verholfen. Fontana verteidigt die EM-Krone, aber die Niederländerinnen haben in Tschechien gezeigt, dass sie ebenfalls absolute europäische Spitze sind.
In einem turbulenten 3000-m-Rennen der Männer zeigten die Holländer eine taktische Meisterleistung. Niels Kerstholt setzte mit seinem Ausreißversuch alles auf eine Karte, und der Plan ging auf: Sein Rundengewinn hielt seinem Landsmann Sjinkie Knegt den Rücken frei für den Titel (der nur noch durch einen russischen Superfinalsieg in Gefahr war) und lief sich selbst zur Vize-Europameisterschaft.
1000-m-Entscheidung: Herrmann starker Vierter
Die Streckensieger über 1000 Meter heißen Thibaut Fauconnet (Frankreich) und Jorien ter Mors (Niederlande). Paul Herrmann verpasste Platz drei nur haarscharf. In Lauerposition am Ende des Feldes zeigte er bei der Kollision von Jack Whalbourne (GB) und Jewgeni Kosulin (Russland) Reaktion und Antritt und ging an beiden vorbei, an Kosulin aber nur kurzzeitig. »Verdammt, ich bin auf der Zielgeraden auf was getreten, wahrscheinlich ein Klötzchen«, meinte Herrmann, »ich hab sofort das Bein gehoben, habe aber dabei so viel Schwung verloren, dass Kosulin wieder vorbeikam.«
Mit ihren Finalpunkten als jeweils Vierter verfehlten Herrmann und Seifert nur haarscharf die Top-8 der Gesamtwertung und damit das Superfinale. Schade, das hätte drei deutsche Startplätze für die EM 2013 bedeutet. Aber auch so sind Platz 9 und 10 ganz stark.
1000-m-Halbfinale: Paul macht den Bradbury
Paul Herrmann steht um Streckenfinale über 1000 Meter! In einem dramatischen Endkampf hielt Paul Herrmann in hinterer Position auf der letzten Runde bei einem Sturz vor ihm die Nerven und kam nicht nur ohne selbst zur straucheln daran vorbei, sondern sah die Lücke und setzte sich mit einem Endspurt selbst an die Spitze.
Auch Bianca Walter und Christin Priebst schlugen sich stark. Als Halbfinaldritte landen sie auf den Plätzen 5 und 6. Bianca schlug sich in einem Rennen mit vielen Attacken stark und war am Ende trotz des Ausscheiden hochzufrieden. Christin hatte Riesen-Pech: Als in der allerletzten Runde alle vier Läuferinnen stürzten, rappelte sie sich als Zweite wieder auf und wäre so durchs Ziel gegangen, als der Referee das Rennen abschoss und einen Neustart verfügte. In der Wiederholung wurde sie zudem durch die Russin Beljakowa behindert und verlor den Anschluss.
1000-m-Viertelfinale: Ein echter Herrmann-Streich
Mit einem sensationellen Finish holte sich Paul Herrmann einen nach dem Rennverlauf kaum erwarteten Halbfinalplatz. Nachdem er sich in einem Sechserlauf vom letzten auf den dritten Platz vorgearbeitet hatte, zog er auf der Zielgeraden noch außen an dem sich wohl zu sicher wähnenden Russen Semjon Jelistratow vorbei.Für Robert Seifert war leider im Viertelfinale Endstation. Er hatte lange geführt und ging den Positionskämpfen in seinem Windschatten aus dem Weg, das kostete aber auch die meiste Kraft, die nicht bis zum Ende reichte.
Das Halbfinale erreichten mit taktisch guten Rennen auch Bianca Walter (als Zweite) und Christin Priebst (als Laufsiegerin). In Priebsts Lauf büßte Lokalmatadorin Kateřina Novotná auch auf der dritten Strecke ihre Chancen durch Sturz ein, diesmal allerdings hatte Cecilia Maffei eine Aktie daran.
1000-m-Vorläufe: Rot-schwarz komplett weiter
Die in rot-schwarzen Rennanzügen laufenden deutschen Shorttracker haben die Vorläufe alle schadlos überstanden und stehen im Viertelfinale. Bianca Walter gewann ihren Vorlauf, die anderen drei kamen jeweils als Zweite eine Runde weiter. Walter ging für eine bessere Setzposition auf Angriff und überholte eine Runde vor Schluss die führende Britin Charlotte Gilmartin − mit Körperkontakt beim Überholen, der folgenlos blieb, aber ein Risiko fährt immer mit. Herrmann sah sich an zwei über mehrere Runden verzweifelten Überholversuchen des Israelis Sergei Kudria ausgesetzt, gab aber keine Lücke frei.
Was noch auffiel: Überraschend war Titelverteidiger Thibaut Fauconnet wieder am Start. Nach ISU-Auskunft, hatte er ein ärztliches Attest, dass ihm nur Startverzicht über 500 Meter nahelegte, aber nicht für den Tag darauf. Und die Gesamt-Führende Arianna Fontana (Italien) stürzte ohne gegnerisches Verschulden in der ersten Runde. Ihre Mehrkampfchancen sind angesichts ihres Punktvorsprungs aber intakt.
Hier gibt es noch mehr Informationen:
- ISU-Ergebnisdienst (offiziell; Menü links benutzen)
- Ergebnisse auf SOLI (inoffiziell)
- Berichte von Sven Heuer (desg.de):
Kleines Happyend bei Shorttrack-EM - Homepage der EM 2012 (ist nicht sehr ergiebig)
- EM-2012-Texte auf Maos Heatbox
Abgelegt unter: D Nationalteam, Europa







