Weltcup Moskau: Robert Seiferts Sicht

Weltcup-LogoAm Schlusstag des Moskauer Weltcups lief es für die deutschen Shorttracker glücklos. Die entscheidenden Läufe fanden ohne Deutsche statt, und in den Staffeln liefen die Damen auf Platz 7 (Dritter B-Finale), die Herren auf Platz acht (Vierter B-Finale), nachdem sie lange auf Augenhöhe mit den Kontrahenten gelaufen waren. Der WM-Zug ist so gut wie abgefahren, es sei denn, beim Weltcupfinale in Dordrecht passiert noch etwas ganz Überraschendes.

Von den 10 Entscheidungen gewannen die Shorttracker aus Südkorea fünf, die weiteren Weltcupsiege gingen nach Kanada, China (je zwei) und Großbritannien. Doppelsiege landeten die Chinesin Fan Kexin und der Kanadier Olivier Jean, die jeweils über 500 Meter und mit ihren Staffeln triumphierten.

Robert Seifert

Material-Überstunden für den Erfolg

Von Robert Seifert, Moskau, 5 Feb 2012

Am letzten Tag des Moskauer Weltcups stand für mich nur noch das Staffel-B-Finale auf dem Plan. Wir waren im vorletzten Rennen des Wettkampfes dran und wollten den Lauf gegen Japan, Holland und Russland natürlich gewinnen.

Wir liefen ein gutes Rennen, konnten aber auf den letzten Runden unsere Konstanz und Sicherheit nicht mehr halten. Wir verloren durch kleine Fehler ab und zu unsere aussichtsreiche Position und mussten den Rückstand dann immer wieder aufholen. Auf den letzten Runden war dieser dann aber etwas zu groß. Wir hatten keine Trümpfe mehr im Ärmel. Schließlich wurden wir Vierter im B-Finale und damit Achter des Weltcups.

Bisher zu wenig für unser Vorhaben, mit einer Staffel nach Shanghai auf Reisen zu gehen. Dort finden Mitte März die Weltmeisterschaften statt, bei welchen nur die besten acht Teams im Gesamt-Welt-Cup eine Staffel stellen dürfen. Nach Moskau und vor dem letzten Weltcup in Holland kommendes Wochenende bleiben wir auf dem 9. Platz mit 344 Punkten Rückstand auf die achtplatzierten US-Amerikaner.

Was mich aber am meisten stört, ist mein Material. Ich komme einfach nicht zurecht. Mike (Kooreman) schiebt fast täglich Überstunden, um meine Kufen und Schuhe in Einklang zu bringen. Doch anscheinend vergebens. Zuerst dachten wir, dass es an den Winkeln liegt. Diese wurden durch die FES (deutsches Materialoptimierungsinstitut) ersetzt und machen eine gute und solide Figur.

Dann nahmen wir an, dass das Problem die Kufen sind, die sich ständig in Banane (Biegung) und Radius verändern. Aber das scheint auch nicht die Ursache für mein schlechtes Gefühl zu sein. Mittlerweile ist Mike auf den Trichter gekommen, dass meine Marchese-Schlittschuhe an Stabilität verlieren. Außerdem sind die zwei Flächen (pro Schuh), an welchen die Winkel unten anliegen, nicht exakt parallel zueinander. Das wirkt sich nach unserem derzeitigem Erkenntnisstand auf die Banane und den Radius extrem negativ aus.

Sogar während eines Laufes, wie heute in der 5000-m-Staffel, verändern sich die Kufen dermaßen, dass ich zu Beginn eines Rennens ein anderes Gefühl habe als zum Schluss. Eine konstante und vor allem schnelle und sichere Laufweise ist dadurch kaum möglich. Mike versucht morgen erneut eine andere Methode, meine Kufen und Schuhe wieder „fitzumachen”. Hoffentlich ist das Vorhaben diesmal von Erfolg gekrönt.

Ein kurzer Besuch im Zentrum der russischen Hauptstadt war in dieser Woche zeitlich möglich. Nach kurzer Fahrt mit der Moskauer Metro (28 Rubel pro Fahrt; ca. 70 Eurocent) haben wir, wie im letzten Jahr, den Kreml, die Basilika und das Grabmal des unbekannten Soldaten bestaunt, wo in jenem Moment eine Wachablösung stattfand. Ein paar Eindrücke vom Stadtbummel bei minus 26 Grad könnt ihr auf folgenden Schnappschüssen ergattern.

Jetzt machen wir uns auf den Weg zum Bankett  im Restaurant „Erte” des Aerostar-Hotels in Moskau. Morgen fliegen wir wieder nach Dresden zurück und werden am Dienstag mit zwei Bussen zum Welt Cup Finale nach Dordrecht (Holland) aufbrechen. Vielleicht gelingt ja mein Vorhaben, diese Saison eine Weltcupmedaille über 500 Meter zu gewinnen, dort doch noch.


Hier gibt es noch mehr Informationen zum Weltcup:


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